Unendlich schöner Flusspark, oder technisch sterile Standardlösung?


Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die der Öffentlichkeit seit 2016 (Bewerbung für die Landesgartenschau) vorgestellten Planungsideen für die Mühleninsel mussten aus Gründen des Hochwasser- und Katastrophenschutzes kurzfristig deutlich geändert werden. Dies teilte das Referat für Stadtgrün bei einem Vor-Ort-Termin am 19. Juni auf der Mühleninsel mit.

Was hat sich geändert?

Statt einer Terrasse mit Café unmittelbar oberhalb des Wehres mit Blick auf die mächtigen Wassermassen der Mulde, soll nun eine Aussichtsplattform auf fünf Meter hohen Stelzen und in vier Meter Entfernung von der Wehrwange entstehen – ohne Café. Statt eines Cafés wird jetzt über einen mobilen „Food Truck“ geredet, der zeitweise an anderer Stelle in der Nähe steht. Die gesamte Uferböschung vom „Eierschneider“ bis zur Friedensbrücke soll mit einem 1,40 m hohen Zaun zur „Absturzsicherung“ entlang eines Rundweges abgesperrt werden.

Von der Idee, den Charme der Flusslandschaft durch behutsame Eingriffe erlebbar zu machen, bleibt kaum noch etwas übrig. Stattdessen erhalten wir eine massive technische Überformung, die absehbar das heute von der Fußgängerbrücke und der gegenüberliegenden Flussseite so malerische Landschaftsbild deutlich beeinträchtigen wird.


Wie konnte das passieren?

Dass die Mühleninsel im Überschwemmungsgebiet liegt, war bereits mit der beginnenden Planung ab 2016 klar. Gab es keine frühzeitige Abstimmung der Planungsideen mit den für Hochwasser- und Katastrophenschutz zuständigen Fachämtern, damit diese von Beginn darlegen konnten, was geht oder auch nicht (planerische „Phase 0“)? Man kann nur den Kopf schütteln.

Aufgrund der kritischen Kommentare vom 19. Juni wird das Referat für Stadtgrün dankenswerterweise am 10. Juli vor Ort nochmals die Planung vorstellen und dabei die neu geplanten Strukturen (Verlauf des Zaunes usw.) durch entsprechende Markierungen veranschaulichen. Wir werden sehen, ob die vorliegende Planung noch so zu verbessern ist, dass diese die Zustimmung der Bürgerschaft und des Stadtrates erhält – oder ob wir neu überdenken sollten, was behutsam und mit weitaus weniger Aufwand (z. B. Verzicht auf die kostspielige Aussichtsterrasse) geschehen kann.

Optimalerweise sollte das im Ideen-Wettbewerb erfolgen, der im Rahmen der BUGA durchgeführt wird. Dann bitte auch unter Einbeziehung des Zollhauses auf der anderen Flussseite sowie der Querung und generell des zukünftigen Querprofils der Bundesstraße. Bei der bisherigen Planung wird trotz der BUGA 2035 darauf verzichtet, die jetzige Beschaffenheit der Straße im Sinne einer zukunftsfähigen Änderung überhaupt mit zu betrachten. Wir halten das für einen gravierenden Fehler.

Eine durch eine erneute Planungsphase bedingte zeitliche Verzögerung kann dazu führen, dass die Fördermittel in Höhe von 5 Mio. EUR (Gesamtkosten rund 7,5 Mio. EUR) verfallen. Allerdings zahlen wir als Stadt rund 2,5 Mio. EUR aus der eigenen Tasche. Eine möglicherweise bessere Planungslösung sollte uns dieses Risiko wert sein.

Autorin: Marianne Richter
(Bürgerliste Dessau-Roßlau)